Antonin Dvorak
Rusalka
Das Orchester auf der abgedunkelten Bühne, auf dem abgedeckten Orchestergraben die Spielfläche, dazwischen eine bühnengroße Projektionsfläche: Schwarz-weiß-Sequenzen einstürzender Gebäude, Autoverkehr im Zeitraffer, fließende Makro-Aufnahmen, Ausschnitte aus Animations-Filmen, immer wieder fließende Wässer mit Mond und versinkender Erdkugel. Malte Kreutzfeldt schafft Film-Bilder auf dem schmalen Grat zwischen Natur und Zivilisation.Opernnetz
"Rusalka" erzählen Intendant André Bücker und Malte Kreutzfeldt auf eine besondere Weise. Die alte Elfengeschichte, die so viel Sehnsucht verströmt, spielt vor einer filmischen Kulisse, die versucht, das Feld zwischen der Wasserwelt Rusalkas und der von ihr erträumten menschlichen Zivilisation auszuloten. Makrobilder, Trickfilm, Zeitraffer und graue Mikrowelten auf dem Projektionsvorhang, Johannes Rieger mit seinem Orchester dahinter, die Handlung zumeist davor. Der stürmische Applaus am Ende der auf knapp 150 Minuten reduzierten "Rusalka"-Fassung bewies, Bücker und Kreutzfeld ist eine in sich schlüssige, ansehens- und anhörenswerte Sicht auf das Stück gelungen.
Uwe Kraus, Volksstimme
Intendant André Bücker hat das märchenhafte Panorama nun zum Kammerspiel verdichtet. Das ist gewagt, weil die Archetypen der Geschichte keine psychologische Entwicklung durchlaufen, sondern in ihren Zuständen befangen bleiben. Und das ist geglückt, weil die Regie in Zusammenarbeit mit dem Video-Künstler Malte Kreutzfeldt eine suggestive Bilderwelt entwickelt, die Rusalkas Herkunft aus natürlichen Sphären mit der Entfremdung der Kultur konfrontiert. Schon in der Ouvertüre fließen die alten Märchenworte wie Wellen über den transparenten Vorhang, hinter dem das Orchester mit suggestivem Gestaltungswillen agiert. Später mischt sich Blut wolkig mit Wasser, schimmert der sehnsüchtig besungene Mond bleich über der Szene und fließen die Front- und Rücklichter von Verkehrsströmen im Zeitraffer wie Venen und Arterien aneinander vorbei.
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung
Nur abgetrennt durch eine halbtransparente Projektionswand ist es vor allem die Musik, die jeder Regung, jedem gesungenen Wort ihre lyrisch-märchenhafte Wahrhaftigkeit gibt. Vielmehr braucht es eigentlich nicht, aber doch, es gab mehr. Auf der Videowand hat Malte Kreutzfeldt Natur- und Großstadtlandschaften aufeinander treffen lassen, die schon immer die Tragik der Geschichte zeigten. Es gab keine Brücke zwischen ihnen, Mondzauber und Wasserwelt dort und hier Hochhauskulissen und Klärwerksgeschäume. Und doch, es gab schon eine Brücke, auf einer anderen Sinnebene. Mit einem bronzenen Neptun und einigen Sequenzen aus dem Disney-Film von der Kleinen Meerjungfrau zeigte sie die Sehnsucht von uns Menschen nach der romantischen Welt.
Liane Bornholdt, Volksstimme Magdeburg