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Roland Schimmelpfennig

Die Frau von früher

Schimmelpfennig hat in dieser Auftragsarbeit für das Wiener Burgtheater, wo das Stück 2004 uraufgeführt wurde, ein kleines Meisterwerk moderner Theaterdramatik geschaffen. Hier der Vater und die Frau und die Mutter irgendwo dazwischen, dort der Sohn, der seiner Freundin, obwohl er weiß, dass er sie nie wiedersehen wird, genauso leichtfertig wie einst sein Vater verspricht, sie ewig zu lieben.
Was für die Jugendlichen lapidar und ein Stück weit bedeutungslos klingt, nimmt Romy, die Frau von früher, bitterernst. Die Frage ist: Was ist ein solcher Schwur wert, was passiert, wenn die Vergangenheit sich derart in die Gegenwart drängt?
Malte Kreutzfeldt konzentriert das Spiel auf diese Fragen. Er lässt seine Figuren nur mit diesem Gerüst agieren, beschränkt ganz bewusst ihre Konturen, ihre Entwicklungen auf das, was im Text steht. Er verzichtet auf alle Verzierungen, zu denen die Story einzuladen scheint. So betont er die Anlehnung an die griechische Tragödie, fokussiert auch den Blick des Zuschauers auf die Thematik - und er beweist, damit kann man eine hervorragende, spannende, fesselnde Aufführung bewerkstelligen. Zumal die Rampe diesmal ein Ensemble gefunden hat, dass mit dieser Art der Inszenierung hervorragend umzugehen weiß. Da ist Magdalene Artelt, die mit spärlichem, aber treffendem Spiel diese Frau von früher ohne irgendwelche Beigaben, völlig puristisch zu einer überstarken Macht werden lässt. Da ist Sebastian Schäfer als Frank, der ganz selbstverständlich dessen Zerrissenheit zeigen kann - mehr durch Weglassen als durch die darstellerische Betonung seiner Empfindungen. Da ist Petra Weimer als Gattin Claudia. Mal um ihre Position kämpfend, mal in der trügerischen Sicherheit der Gewohnheit, mal ängstlich, mal forsch kommt auch sie mit kleinen, treffenden Mitteln aus und rundet so eine Aufführung, die in der Rampe zu den besten dieser Spielzeit zählt.

Arnim Bauer :: Stuttgarter Zeitung :: 14. April 2008