Udo Zimmermann
Weisse Rose
Die Aufführung hinterließ mit ihrer intensiven emotionalen Gestaltung einen tiefen Eindruck. Die Besucher waren förmlich gebannt von dem tragischen Geschehen auf der Bühne und von der Musik, die alle Höhen und Tiefen durchmaß.Neue Presse
Die Uhr ist gestellt. Sekunde für Sekunde tickt sie dem Ende entgegen - unerbittlich und unausweichlich. Und das Ende, das sie herbei ruft, ist der Tod. So schonungslos, so zwangsläufig und unentrinnbar zeigt Udo Zimmermanns Kammeroper "Weiße Rose" die letzte Stunde der Geschwister Sophie und Hans Scholl, bevor die Schergen der Nationalsozialisten sie im Februar 1943 auf das Schafott schickten. Und ebenso schonungs- und illusionslos (mit einer oben am Bühnenportal eingeblendeten, rückwärts laufenden Uhr), unpathetisch und doch mit packender Wucht zeigt die Coburger Neuinszenierung dieses Werk.
Malte Kreutzfeldts Regie setzt entschlossen auf die schwierige Kunst der Verknappung, des Weglassens, der Konzentration auf das Wesentliche. Kein unnötiges Requisit soll ablenken vom Schicksal der Geschwister Scholl. Ihre letzte Stunde übersetzt diese konsequente Deutung in genau eine Stunde Vorstellungsdauer. Dennoch ist diese Aufführung keine Aufführung unter dem gleichsam mechanistischen Diktat der Echtzeit. Denn diese höchst spannende Stunde ist ein packendes Beispiel für die subjektiv höchst individuelle Wahrnehmung von Zeit. Am Ende gibt es begeistert ausdauernden Beifall für eine aufrüttelnde Opernstunde.
Tageblatt